8 meiner liebsten Folk-Alben

Jackson C. Frank – Jackson C. Frank

Ach, die Tragik durch die dieser Mann zu gehen hatte ist schwer erträglich. Im Alter von 11 eine große Explosion überlebt, bei der er 15 seiner Schulkameraden verlor. 7 Monate lag er im Krankenhaus. Viele Jahre später starb sein Sohn an Mukoviszidose. Die darauf folgenden Depressionen dürften kaum verwundern, er kam in entsprechende Behandlung, doch die mentalen Probleme sollten ihn ein Leben lang begleiten. Er lebte auf der Straße und verarmte zusehends. In dieser Zeit war es auch, als ihn Kinder mit einem Luftgewehr ins linke Auge schossen, was zu Blindheit führte. Schlußendlich starb er an Lungenentzündung und Kreislaufstillstand.

Ja, das ist ein ziemlich mieses Leben. Er hat auch nur ein Album herausgebracht, dass aber vor melancholischer Schönheit nur so trieft. Es ist schwer seinen biografischen Abriss zu lesen, dabei seine Musik zu hören und nicht ein kleines Tränchen in den Augenwinkeln zu haben. Er hat etwas geschaffen das verbleibt und auch wenn die Phrase ausgelutscht ist, zeitlos bleibt.

Beispiel

Wikipedia [eng]

Eddie Vedder – Into the Wild

Oh, Eddie Vedder, warum verlässt du Pearl Jam nicht und machst nurnoch Alben wie dieses? Gut, es ist „nur“ ein Soundtrack, aber er hat dir immerhin Preise beschert und meine absolute Bewunderung und das nicht nur, weil „Into the Wild“ mittlerweile einer meiner Lieblingsfilme geworden ist. Aussteigermentalität ist eine sehr romantische Sache. Und diese Musik unterstützt das erheblich. Das ist Musik fürs Lagerfeuer ohne kitschig und „pfadfinderisch“ zu wirken. Aber das dürften wohl nur die wenigsten hinkriegen.Gerade „Society“ ist für mich ein Meisterwerk, sowohl lyrisch, als auch musikalisch. Ich erwische mich des öfteren die Melodie summend.

Beispiel

Bob Dylan – The Times They Are A-Changin‘

War ja klar, dass der Kerl bei Folk-Alben mit auftaucht. Er ist durchaus überbewertet. Aber er ist definitiv ein herausragender Musiker, da kann man bei aller Polemik nicht viel sagen. Tatsächlich ist dies eines von zwei Alben von ihm, die ich auch wirklich recht oft höre und mag. Zu ihm selber braucht man fast schon nichts mehr sagen, zuviele Worte wurden verloren, zuviele Filme gedreht, zuviel gecovert. Das einzige, was mich an dem Album des öfteren stört ist die vordergründige „Kreischigkeit“ der Mundharmonika. Aber das war noch viele Jahre vor den Abmischmöglichkeiten die wir heute kennen. Ist vielleicht auch deutlich besser so. Schlechtere Qualität hat häufig mehr Charme.

Beispiel

Ulver – Kveldssanger

Ulver haben sich im Laufe ihrer Karriere ziemlich verändert. Angefangen mit harschem Black Metal, weitergeführt mit irgendwas zwischen Black und Viking/Folk Metal (Ohgott), dann dieses Album und dann irgendwann in Richtung elektronischer Soundtrack Sachen. Nun, das hier ist quasi das Zwischenstück. Nichts weiter als 2 Gitarren und Gesang. Mehr braucht es auch garnicht. Das Album hatte damals einen solchen Einfluss auf mich, dass Ord mein Windows-Startsound war. Oh, die Mystik die diese Album förmlich umherschüttet ist ergreifend.

Beispiel

Johnny Cash – American III: Solitary Man

Nach seiner langen Pause kam Cash damals zurück mit etwas das als solcher nicht mehr mit seinem stampfenden Country zu vergleichen war. Nur noch er und ein paar Instrumente. Er sagte das dies die Musik war, die er immer machen wollte. Er coverte großteilig; U2, Sting, Tom Waits, Bonny „Prince“ Billy, Nine Inch Nails und noch viele andere. Dennoch schaffte er es sich die Songs zu eigen zu machen, etwas selbstständiges zu schaffen. Die Stimme dieses alten Mannes ist für mich viel wichtiger und besser als die des jungen Cash. Man merkt deutlich das dieser Mann etwas erlebt hat und das er trotz allem noch voll hinter seiner Musik steht. In das Interesse aller ist er dann definitiv mit Hurt gerückt. Dieser Song ist zwar nicht auf dem hier genannten Album drauf, ist aber ein Teil der „American Recordings“-Reihe. Nur wenige Künstler haben es geschafft alt eingesessene und junge, neue Fans gleichermaßen für sich zu gewinnen. Er war ein (musikalischer) Gott. Mehr muss wohl nicht gesagt werden. Er rangiert immernoch auf Platz 2 meiner absoluten Lieblingskünstler.

Beispiel

Eric Fish – Auge in Auge

Als ich hörte das Eric Fish auf einer Buchmesse (?) seine Künste zum besten gab, kam mir das Bild von irgendwelchen unsympathischen Gruftie-Mädels in den Sinn, die sich die Lunge aus dem Leib kreischen. Nicht, weil die Musik gut ist, sondern weil da halt Eric Fish steht. Den kennt man ja von Subway To Sally. Ja, ich habe mir gedacht, dass seine Musik nicht im gebührenden Maße gewürdigt wird. Aber das kann ja auch alles Teil meiner vorurteilsbehafteten Weltsicht sein. Nichtsdestotrotz ist das Album sein Geld wert. Es gibt jedoch einige Mankos, die Zwischenstücke, bei denen er mit dem Publikum interagiert, sind nicht besonders spannend und die meisten englischsprachen Cover funktionieren meiner Meinung nach nicht so wirklich. Dennoch ein gelungenes Live-Album.

Beispiel

Beirut – Gulag Orkestar

Okay okay. Das ist jetzt nicht mehr dieser Ein-Mann-mit-Gitarre-Folk, aber trotzdem bleibt es irgendwie Folk in dem Sinne. Angelehnt an rumänische Volksmusik, zimmert der Herr Beirut etwas so merkwürdiges wie faszinierendes zusammen und alles wird von seiner Stimme getragen. Wahnsinn. Wem normaler Folk zu schnöde ist, der kann sich an dieser Alternative versuchen. Wert ist es das auf jeden Fall. Interessantes Cover im Übrigen. Soll er wohl aus irgendeinem ostdeutschen Fotoarchiv haben. Nicht umsonst heissen einige Songs „Brandenburg“ oder „Prenzlaurberg“.

Beispiel

Israel Kamakawiwo’ole – Facing Future

Ein sehr, sehr dicker Mann. Ein unendlich freundliches Gemüt. Eine Verbundenheit mit seinem Land und der Natur. Ein schwer zu merkender Name. Ein korpulenter Gott. Ja, dieser Mann ist für mich auf eine Stufe zu stellen mit Johnny Cash. Er könnte kleine Kinder essen und ich würde ihn ohne Nachzudenken noch mögen. Auch diesmal nicht so wirklich der klassische Folk, aber ich maße mich einfach mal an es ist hier mit einzuordnen. Hawaiianischer Spirit und eine gesunde, fast schon kindliche Art mit der Welt umzugehen. Und dafür wurde er zumindest in Hawaii gebührend gewürdigt. Solche Künstler braucht die Welt.

Beispiel

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2 Responses to “8 meiner liebsten Folk-Alben”


  1. 1 spanksen 27. September 2009 um 2:37 pm

    Oh mann, die Geschichte von Jackson C. Frank klingt ja wirklich erschreckend :shock:


  1. 1 Zarte Zusätze « Mundilfaris Blog Trackback zu 1. Oktober 2009 um 4:35 pm

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