Das Informationszeitalter und die Musik

Die Zeit in der wir leben wird häufig als „Informationszeitalter“ beschrieben. Bisher war das für mich eine belanglose Begrifflichkeit, scheint es doch keinen wirklich konkreten Bezug zu meinem Leben gehabt zu haben. Informationen, welcher Art? Warum ist das heute wichtiger als früher? Selbst als ich einen Internetanschluss mein Eigen nennen durfte, leuchtete mir dies nie wirklich ein. Es war zwar leichter an Informationen zu kommen, schließlich musste man für Wissen nicht beständig in die Bibliothek rennen, aber wirklich mehr erschien mir das auch nicht. Doch seit einigen Monaten verstehe ich was gemeint ist.

In den letzten Jahren ergab sich, dass, durch eine zunehmende Vernetzung und Dutzende Web 2.0-Anwendungen, man heute so leicht an Informationen kommt, dass es einen leicht überfordern kann. Man nehme beispielsweise die RSS-Feeds gängiger Zeitungen. Als Beispiele wären hier nur einmal gegeben jene des Spiegels, der Zeit oder der Süddeutschen. Man abboniert diese und bekommt was? Über 200 Artikel pro Feed. Täglich! Natürlich kann man selektierte Feeds nutzen. Ich zum Beispiel nutze aktiv die RSS-Feeds gängiger, halbwegs seriöser Zeitungen wie oben genannte, sowie die New York Times und Al Jazeera nur für Internationale Politik um halbwegs auf dem Laufenden zu bleiben. Ich sehe mir mittlerweile nurnoch die Titel und die kurze Zusammenfassung an und nur im Ausnahmefall lese ich auch mal den ganzen Artikel. Würde ich wirklich jeden komplett lesen, wäre ich fast einen Tag beschäftigt und dann gäbe es wieder neue Feeds.

Dazu kommen natürlich noch Dienste wie Twitter:

Auch dies wird mittlerweile von den meisten großen Zeitungen genutzt um die entsprechenden Artikel zu verlinken. Neben den Zeitungen, haben natürlich noch diverse Homepages RSS-Feeds im Angebot (ganz unten auf dieser Seite könnte man zum Beispiel den für diesen Blog abonnieren) und Twitterbeiträge werden in großer Anzahl natürlich auch von Privatanwendern gebracht, Blogs informieren über die Personen dahinter und über Weltbewegendes. Dann gäbe es da noch Dinge wie Podcasts oder YouTube-Video-Abonnements und noch einige andere. Es trägt alles dazu bei uns mit mehr oder weniger relevantem Wissen zu versorgen.

Wer also den Wunsch hegt, kann sich von Informationen regelrecht „“zubomben“ lassen. Man könnte sagen, dass das Informationszeitalter spätestens jetzt wirklich vollends ausgebrochen ist. Doch wie wirkt sich das beispielsweise auf die Musik aus?

Betrachten wir uns das Musikverhalten zum Beispiel in den 60ern. Man kauft sich jeden Monat ein paar Schallplatten, wenn überhaupt, und konzentriert sich auf diese. Man geht ab und an auf ein Konzert und entdeckt für sich langsam aber sicher etwas neues. Das ist aber eine Sache des letzten Jahrhunderts geblieben. Web 2.0 ist auch hier das Schlagwort. Dazu gehören zum anderen die Möglichkeit als Musiker seine eigene Band zu präsentieren, was vor allem bei Myspace gemacht wird. Das ist zu früher schonmal in sofern anders, als dass man Schallplatten, die man vorher nicht kennt, einfach wahllos kauft, meist nach Cover. Bei CDs gab es wenigstens die Möglichkeit sich das einmal kurz anzuhören. Hier hat man die Möglichkeit sich alles geruhsam zuhause anzuhören und gleich bei beispielsweise Amazon zu bestellen. Sie wissen nicht was sie hören sollen? Wie wärs mit entsprechenden Empfehlungssystemen:

Bei Last.fm kriegt man ebenso Dutzende von Tipps, was denn zu hören wert wäre. Differenzierter kriegt man das bei rateyourmusic.com, wo man Alben bewerten kann, beziehungsweise muss um dann per automatisierter Anzeige Hinweise zu erhalten. Bei Last.fm kann man sich die Musik selbst meist auch noch anhören. Blogs besprechen und empfehlen Musik ohne Ende.

Und da ist Nachteil in etwas, was eigentlich im ersten Blick nur Vorteile bringt. Die Musik verliert schlussendlich an Wert. Emotionalem Wert, denn es bleibt kaum was hängen, wenn man sich Band nach Band anhört, schnell in Schubladen steckt und dann weiterzieht. Es ist ganz anders als früher, wo man sich die Schallplatten immer wieder und immer wieder angehört hat, schlichtweg, weil man kaum anderes hatte. Vor 6 oder 7 Jahren hab ich mir diverse Platten (als Beispiel nur die Black Metal von Venom) sehr oft angehört, allein schon deshalb, weil Internethier noch relativ teuer war. Und die kann ich bis heute mitgröhlen. Textgenau, selbst wenn ich sie seit Jahren nicht hörte. Hörte kann ich mich kaum erinnern, was ich gestern hört und was es als Thema hatte.

Das Informationszeitalter macht damit alles sehr künstlich und Kunst verliert allein schon wegen der Masse an Wert. Das ist per se nichts Schlechtes, es ist eine natürliche Veränderung die durch den rasanten Umschwung gesellschaftlicher Ansichten und Denkweisen gestärkt wird, aber ein bisschen Wehmut ist dann doch dabei. Wir werden sehen wohin das alles führt.

Und als ich diese Zeilen schrieb rauschten an die 100 Beiträge in meinen RSS-Feed-Ordner. Es wird wieder dauern, bis ich diese Informationen angelesen habe…

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