Ballspielen verboten!

Es ist Herbst. Ich laufe wie jeden Tag durch die Hinterhöfe der Plattenbausiedlungen, meinem Ziel entgegen. Ein rauer Wind weht um die Bäume und alles wirkt an diesem Morgen trist, grau und hoffnungslos. Nieselregen lässt den Boden die Umgebung reflektieren, wie ein Spiegel. Meine Haare hängen durch die Nässe und das beständige Trommeln auf meinem Kopf macht den Wunsch nach Wärme fast schon greifbar. An einem der vergitterten „Müllcontainerparkplätze“, die nun schon seit einigen Jahren dort stehen, sehe ich einen Satz, den ich schon längst vergessen glaubte: „Ballspielen verboten!“. Ich erinnere mich wie durch einen Schlag an meine Kindheit zurück. Gab es diese auch damals? Ja, tatsächlich. Aber nur in der Nähe der Wäschestangen, die in manchen Hinterhöfen standen. Wir respektierten diese Schilder, auch wenn das Kind in uns eigentlich nicht bereit war. Wir wollten spielen, wir waren schließlich Kinder. Aber man hatte genügend Platz woanders Kind zu sein. Doch heute? Ich habe dieses unschöne Gefühl, dass man als Kind heute kaum noch irgendwo spielen kann. Verbote. Verkommene Spielplätze, Grantige Menschen mit Angst, dass ihrem Fenster oder Auto etwas zustoßen könnte. Mir scheint, man hat heute nurnoch selten Gelegenheit noch wirklich Kind zu sein. Überall stehen sie, diese Schilder. An abstrusesten Orten, auf Parkplätzen, neben Altenheimen, an Kaufhallen. „Spielt ja nicht!“. „Werdet erwachsen!“ scheinen sie zu rufen. Wer Kind bleiben will, hat keine Chance. Wer früh erwachsen wird, wird hingegen gelobt. Kein Wunder, dass man verlernt, worauf es ankommt. Ich sehe es schon in 10 Jahren vor mir. 2 Kinder, Jungs, gerade einmal 11. Einer hält einen Ball in der Hand: „Los lass uns spielen gehen!“ sagt er. „Aber was willst du denn mit diesem Ball?“ fragt der andere. „Na, spielen natürlich!“. Und der andere antwortet: „Lass ihn liegen. Wir können ihn sowieso nirgends benutzen.“ und sie gehen los, den Ball hinter sich lassend. Wir verlieren „unsere“ Kinder nicht an Medien, Drogen oder sonstiges. Wir verlieren sie an die eigene Paranoia. Es ist Herbst. Nieselregen durchnässt meine Kleidung und meine Haare. Ich gehe durch die Hinterhöfe, meinem Ziel entgegen, wie jeden Tag. Der Wärme entgegen.

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1 Response to “Ballspielen verboten!”


  1. 1 Zariel 1. März 2009 um 7:55 am

    Dein Stil erinnert mich irgendwie an ein Lied, wahrscheinlich kennst du es, „Über den Wolken“. :->

    Hast schon Recht. Es gibt nicht mal mehr Plätze die überhaupt groß und frei genug wären um dort mit jeglicher Form eines Balles zu spielen. Wenn man nicht in einem Neubaugebiet wohnt sind alle Häuser aneinandergereiht und das einzige was dazwischen passt ist die Straße. Schon schlimm… bin ich froh, dass ich mich noch austoben konnte. :-^


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