Die wunderbare Welt der Fantasie

„Lass uns eine Geschichte schreiben“ sagte Jim-Bob.

„Eine Geschichte? Aber warum?“ fragte Tom.

„Na um Geld zu machen, Alter! Ich meine, weisst du wie unendlich reich dieser Tolkien sein muss?“

„Aber Tolkien ist doch tot. Seit fast 40 Jahren schon!“

„Das ist doch egal. Denk doch mal daran wie viel Schotter wir verdienen können“

„Und wie hast du dir das vorgestellt?“

„Naja, sieh dir doch mal die ganzen neumodischen Fantasy-Autoren an. Die machen auch nichts anderes, als den ganzen üblichen Fantasyrassenkram zusammenzuschmeissen und die üblichen Fantasydinge zu tun.“

„Ach ja?“

„Ja! Ich meine, das Meiste ist eh nicht anders als eben bei Tolkien. Da sind die Orks, die alles kaputt hauen wollen. Die Zwerge die in irgendwelchen Minen buckeln und alle gleich aussehen und saufen. Die Elfen, die ständig so wirken, als hätten man ihnen eine Glühbirne auf den Rücken geschnallt, weil sie so edel und strahlend und knöfte sind. Die Menschen, die in ihren Burgen leben und mal gut, mal böse sind. Klischees, Alter! Darauf fahren die Leute total ab. Wenn du dann noch eine 300 seitige Vorgeschichte erstellst, die nur erklärt, warum Hans Werner aus Niftelbums damals bei den Grablwargfällen ins Wasser geplumpst ist und was das für eine Auswirkung auf den zweihunderknöftzig Jahre später geborenen Hauptprotagonisten hat, also etwas schafft, was deine Hardliner-Fans in langen mühseligen Jahren auswendig lernen und rezitieren können, dann ist der Erfolg ja quasi garantiert. Je mehr Orte, Vorgeschichte, Personen und Fraktionen wir also unterbringen, desto besser. Und wenn wir viel davon erstellen, können wir auch die ganze Sache bis ins Lächerliche ausdehnen. Das wird eine ganz einfache Sache, Man.“

„Aber wäre das dann nicht eines von vielen Büchern, die genau das tun? Wie sollen wir Zeug verkaufen, wenn wir uns nicht abheben?“

„Ganz einfach. Der Hauptprotagonist darf eben nicht der strahlende Ritter in seiner Rüstung sein. Wir nehmen irgendwas völlig anderes. „Aus dem Leben eines Goblins“ oder „Der Oger der zuviel wusste“. Soetwas. Ein wenig schriftstellerisches Talent und die Sache kann garnicht schiefgehen.“

„Naja, probieren können wir es ja.“

Und so machten sie sich ans Werk.

2 Monate später. Die Welt liest wie wahnsinnig das Buch „Aus dem Leben eines Goblins“. Es rangiert in den Bestsellerlisten ganz oben. Die Lager der Leser sind gespalten. Die einen finden es stupide, belanglos, ja regelrecht kindisch, wenn auch unterhaltsam. Die anderen sehen es als Meisterwerk moderner Fantasy-Literatur. Gekauft wird es von beiden Seiten. Das Buch soll verfilmt werden, große bekannte Stars zieren Haupt- und Nebenrollen, Interviews werden gegeben, Interpretationen und Analysen veröffentlicht. In 100 Jahren, so wird man sich zuraunen, kann man in ihrer alten 50 Zimmer Villa, wenn man ganz leise ist, noch ihr Lachen hören. Das Lachen der modernen Fantasy-Autoren.

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