S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky

Das erste S.T.A.L.K.E.R. war für mich zweifelsohne ein Spiel mit vielerlei beeindruckenden Aspekten. Allem vorran wäre da wohl die sehr dichte Atmosphäre zu nennen. Dieses beklemmende Gefühl, das Gefahr wirklich von überall ausgeht war intensiv und ließ einen über die kleinen Macken hinwegsehen, wie verwirrendes Fraktions bzw Gegnerverhalten. Auch wenn ich beim ersten spielen das Ende hingeworfen bekam, das vermutlich jeder als erstes gesehen hat (Sie wissen schon, das „Geld“-Ende), so habe ich es dennoch auch ein zweites Mal gespielt und ich denke das sagt viel über das Spiel an sich aus. Ebenso veranlasste es mich dazu mir „Picknick am Wegesrand“ von Arkadi und Boris Strugazki zu lesen, sowie Stalker den Film zu sehen, auf denen das Spiel ja lose basiert. Beide Werke kann ich übrigens sehr empfehlen.

Nun war ich natürlich erfreut das ein Nachfolger auf den Markt kommen sollte. Zumindest anfangs. Den Medien entnahm ich, dass das Spiel wohl bis zur Unspielbarkeit fehlerhaft war. „Nun gut“, dachte ich, „ich muss es ja auch nicht jetzt spielen. Ich warte solange bis die ersten vernünftigen Patches raus sind.“. Gesagt, getan. Mit der Veröffentlichung des 1.5.0.5er Patches habe ich also das Spielen begonnen. Das Erste was ich dennoch vom Spiel mitbekam war großes Geruckel. Crysis läuft bei mir auf „Hoch“, aber Stalker ruckelt bei mir noch auf „Mittel“? Ich konnte den Vorgänger mit einer „GeForce 4 Ti“ noch auf „Mittel“  spielen, warum also diese unglaublichen Hardware-Anforderungen? Ja, es sieht um einiges besser aus. Man könnte sogar sagen es sieht fantastisch aus. Aber was bringt mir das, wenn ich es nicht wirklich genießen kann? Ich persönliche stelle da doch eher einen hässlichen Film über eine wunderschöne Dia-Show. Also alles auf „Niedrig“ gepackt, da zieht die Maus auch nicht mehr so nach. „Wo bin ich denn hier überhaupt? Na klasse. Sumpf. Nichts ermuntert einen so schön, wie brauner Matsch neben brauem Wasser und braun angezogene Leuten. Oh, wer sind die überhaupt? Clear Sky? Nie gehört. Warum kennt man die nicht aus dem ersten S.T.A.L.K.E.R.? Oh, weil sie im verdeckten operieren. Bin ich der Einzige, der diese Erklärung etwas aufgesetzt findet?“

Nun bekommt man wie üblich erstmal einen Auftrag. Der besteht eigentlich nur darin zu einem Turm zu gehen und auf Wildschweine zu schiessen. Wüst unterbrochen wird man von einer Emission. Was soll man also machen, wenn eine Emission auftritt? Man verkrümelt sich fix in einem nebenstehenden Haus. Aber nö, das Programm hat wohl keine Lust auf Logik und bläst einen mit der Emission trotzdem um. Das das Gleiche bei einer der später auftretenden Emissionen funktioniert hätte, scheint da wohl keinen wirklich zu interessieren. Aber offenbar gehörte das wohl zur Story. Story muss wohl ausserhalb der Logik funktionieren. Ach, was solls, schieben wir es einfach auf die Zone, die ist doch sowieso sehr mysteriös. Man erzählt mir also, ich wäre ein totaler Übertyp, weil ich Emissionen überlebt habe. „Natürlich habe ich sie überlebt, ich hatte ja auch einen Unterschlupf, Herrgottnochmal.“

Dann soll man endlich etwas vernünftiges für die Clear Sky Fraktion machen und „Ausgestossene“ aus ihrem Gebiet vertreiben. Vom ersten S.T.A.L.K.E.R. also noch die Kampfweise im Gefühl, wird man vor allem eines erstmal tun: sterben. Wo früher Blutverlust eher nebensächlich erschien, verblutet man heute innerhalb von gefühlten 2 Sekunden, nachdem man vielleicht 2 oder 3 Treffer abbekommen hat. Das mag realistischer sein, aber es ist nicht wirklich spaßig sich aller 10 Sekunden irgendwo verstecken zu müssen, das Verbandszeug rauszusuchen, sich zu verbinden und dann erst wieder vorrücken zu können, aber dann zu bemerken, das der Feind schon bis auf 5 Meter vorgerückt ist und einem mit einer Schrotflinte ins Nirvana schrotet. Ja, das Spiel ist nichts für Memmen. Irgendwie hab ich mich also doch damit arrangiert. Man bekommt also immer mal automatisch Aufträge, weil ein Posten auf der anderen Seite der Karte angegriffen wird. Diese gewinnt man auch häufig, allerdings ohne das eigene Zutun. Häufig genug verliert man sie aber auch, ohne ersichtlichen Grund. Nun, irgendwie schafft man es dann doch die Gegend von den Feinden zu säubern und darf endlich weiter in die Zone eindringen. Und zwar in das Startgebiet des ersten S.T.A.L.K.E.R. . Man kommt also an und wird vom Händler aus dem ersten Teil erstmal gewarnt, das man direkt vor der Militärbasis steht und das man vorsichtig sein soll. Gut, dann werde ich versuchen mich vorbeizuschl*BRATZ*. MG-Feuer, 5 Sekunden, tot. Gut das diese Militärs einen schon auf 1 km Entfernung sehen und treffen. Die waren vermutlich einfach zu lange in irgendeiner Strahlung und haben jetzt Supermutantenaugen. Beim zweiten Mal bin ich also durchgeflitzt. Ein paar Aufträge später, habe ich ein ordentliches Polster an Kapital zusammengesammelt. Also raus aus der Gegend. „Oha, ein paar düstere Gesellen stellen sich mir in den Weg. Na, dann will ich mal sehen ob die… oh… ich soll anhalten. Okay. Er kommt. Er faselt. Er nimmt mir alles Geld weg… … NEEEEEEIN!“. Ich bin also nach all den Strapazen einfach so und ohne Wiedergutmachung pleite. Na danke. Meine Sparsamkeit wurde also aufs bitterste bestraft. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich mein Geld doch wenigstens für billige Frauen und Schnaps ausgegeben. Ach halt! Frauen gabs ja noch nie bei S.T.A.L.K.E.R., was für mich immernoch ein großer Kritikpunkt darstellt, aber irgendwie scheint das ja keinem wirklich aufzufallen. Das ist also das sexistischste Spiel seit langem. Dabei sind die Leute doch immer ganz vorne dabei, wenn großbusige, halbnackte Frauen auf irgendwelchen Covern abgebildet sind. Nun, ist auch egal. Ich laufe also wieder meines Weges bis eine Sprachnachricht eintrifft, das ein „Alter“ angesprochen wird, der sich der Basis dort besser nicht nähern sollte. „Oh, vielleicht hat das was mit der Story zu tun. Ich frage mich wen die meinen.“ Nun, sie meinten offensichtlich mich, wie ich an ihrer plötzlichen Einstufung als Feind ansehe. Ich sterbe also (mal wieder). Mein Quickload-Button ist mittlerweile schon abgenutzt. Also folge ich der Story, bestreite Fraktionskämpfe.

Irgendwann kommt ein Punkt in dem man eine gesuchte Person in einem Keller aufspüren soll… und von hinten erschlagen und ausgeraubt wird. Und diesmal bleibt es nicht nur beim Geld, nö, man steht plötzlich quasi völlig nackend in einem Keller. Aber nicht mit mir, wertes Spiel. Quickload, neben dem Kellereingang alles hingeworfen, was nur irgendwie geht und dann rein. Gut, man wird bewusstlos geschlagen, das gleiche blabla. Und tadaaaa, mein Zeug liegt immernoch da. „In your face!“ Zwar habe ich auch jetzt kein Geld mehr, aber besser so als die andere Alternative. Trotzdem hole ich mir mein Zeug wieder und mache mich auf der Geschichte zu folgen. Ich halte mich munitionstechnisch mit den Überbleibseln derer über Wasser, die ich erschiessen musste. Nun kommt aber ein Punkt, bei dem man jemanden unterstützen soll, eine Brücke auf der anderen Seite eines Flusses herunterzulassen, während Feindeshorden auf ihn zukommen. Die Fragen die sich einem nach einer Weile so stellen sind vor allem: „Warum hält der aller 2 Sekunden das Brückeherunterlassen an?“ und „Wie soll ich das machen, wenn mir nach 10 Minuten einfach mal die Munition ausgeht?“. Leichen plündern geht in diesem Fall ja nicht, weil die auf der anderen Seite sind. Mit meinen letzten Kugeln schaffe ich es also gerade noch so. Schwein gehabt.

Und für mich der schlimmste Kritikpunkt. Das Ende (zum Lesen markieren, wegen Spoilern!):

Wer den ersten Teil beendet und das „eigentliche“ Ende gesehen hat, war durchaus angetan, weil es doch mehr war, als man vielleicht im ersten Moment annahm. „Clear Sky“ hat aber nichteinmal mehrere Enden. Und das Ende hätte man sich denken können, noch bevor man das Spiel begonnen hat. Ziemlich enttäuschend wie ich finde. Das man „umprogrammiert“ wird, war doch von vornherein klar. Ich hatte vielleicht zu große Erwartungen, das da eben etwas kam, was nicht so vorhersehbar war. Aber vielleicht bin ich da auch selber dran schuld.

Aber irgendwas fehlt. Die Atmosphäre wirkt nurnoch halb so intensiv. Ich kann den Finger nicht darauflegen warum.Ich fühle mich immernoch „gefährdet“ und es kann nicht an den Bugs liegen, denn die sind mit der 1.5.0.5. nicht mehr so elementar schlimm, als das sie das Spiel zu sehr beeinflussen würden. Bis auf ein paar Grafikbugs, habe ich nicht allzuviel mehr mitbekommen. Aber das war nur bei mir so, vielleicht gehts da anderen entsprechend auch anders. Vielleicht liegt es auch daran das man so gut wie keine Bezugspunkte mehr hat. In die Clear Sky-Basis kommt man so gut wie nie mehr (was wohl auch an den völligst überzogenen Preisen der „Fremdenführer“ liegt) und sonderliche viele Basen mit allem was man braucht gibt es eigentlich auch nicht. In den Fraktionskämpfen habe ich auch nicht wirklich das Gefühl, das man für eine Sache kämpft, sondern nur eben nur für eine austauschbare Partei. Da können die Freiheitskämpfer noch so tölpelhaft rüberkommen. Auch fehlen irgendwie die Anomalien. Also, sie sind schon da, aber ich bin im Laufe des Spiels über nur etwa 4 oder 5 Stück wissentlich gestolpert. Und wenn ich auf sie gestoßen bin, hab ich sie nichtmal gesehen, da diese nurnoch mit entsprechendem Gerät zu orten sind, was äußerst gewöhnungsbedürftig erscheint. Aber im Grunde ist auch das völlig nebensächlich, da man, wie gesagt, so gut wie nie eine sehen wird. Dennoch gibt es Momente in denen eine unglaublich atmosphärische Dichte zusammenkommt und da hat die Grafik und der neue Tag/Nacht-Wechsel seinen Anteil daran. Wenn man im völligen Dunkel (und ich meine dunkel, man sieht fast garnichts mehr, was nicht unbedingt normal ist, wenn ich das mal mit anderen Spielen vergleiche) ein Gewitter erlebt und wie es die Gegend ausleuchtet, kann man fast nicht anders als zu staunen.

Alles in allem, wer S.T.A.L.K.E.R. extrem gut leiden konnte, kann auch diesen Teil mal anspielen. Allerdings sollte man die Erwartungshaltung deutlich nach unten schrauben. Es ist definitiv kein schlechtes Spiel, aber im Verhältnis zum Vorgänger muss man jedoch sagen, das es deutlich absackt, was nicht daran liegt, das man sich „sattgesehen“ hätte. Ganz im Gegenteil, die Spielwelt hat noch viel, viel mehr Potential. Wer S.T.A.L.K.E.R. also noch nicht gespielt hat, sollte eben dieses erst einmal spielen, denn damit kann man eigentlich nicht falsch liegen. Und dann kann immernoch entschieden werden ob „S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky“ wirklich sein muss.

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